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Sport und Bewegung beim Wasserfasten

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Leichte Bewegung ja, Training nein. Die beste Bewegung beim Wasserfasten ist Gehen: 20 bis 45 Minuten in einem Tempo, bei dem du noch in ganzen Sätzen sprechen kannst. Krafttraining, Intervalltraining und lange Ausdauereinheiten verlangen Energie, die nicht verfügbar ist, und erhöhen das Risiko für Schwindel und Kreislaufprobleme. In den ersten drei Tagen und in den Aufbautagen besonders zurückhaltend sein. Bei Herzrasen, starkem Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen sofort aufhören. Krafttraining wird erst nach dem Fasten wichtig — dann aber als feste Gewohnheit.

Die Kurzfassung in einer Tabelle

BewegungFastentag 1–3ab Tag 4Aufbautagedanach
Gehen im Gesprächstempoja, kurzja, 20–45 Min.jadie Gewohnheit, die bleibt
Dehnen, ruhiges Yogajajajaja
Lockeres Radfahreneher nichtfür Geübte, flacheher nichtja
Joggenneinnur im Gesprächstemponeinja
Krafttrainingneinneinneinab Woche 6, zweimal pro Woche
Intervalltraining (HIIT)neinneinneinja
Lange Ausdauer (über 60 Min.)neinneinneinja

Die Spalte „danach” ist kein Nachtrag. Sie ist der Teil, an dem entschieden wird, ob das Fasten etwas gebracht hat — mehr dazu unten.

Warum leichte Bewegung beim Fasten hilft — und Training nicht

Beim Fasten stellt der Körper auf Fettverbrennung und Ketonkörper um. Für ruhige, gleichmässige Bewegung reicht das. Für kurze, harte Belastung — ein schwerer Satz Kniebeugen, ein Sprint — braucht die Muskulatur schnell verfügbare Energie aus Glykogen, und genau diese Speicher sind nach zwei, drei Fastentagen weitgehend leer.

Dazu kommt der Kreislauf. Beim Fasten scheidet die Niere Natrium aus, Wasser folgt, der Blutdruck sinkt. Das ist erwartbar und für sich genommen kein Problem — aber es verkleinert den Puffer. Eine intensive Einheit, bei der der Kreislauf ohnehin gefordert ist, trifft dann auf einen Körper, der weniger ausgleichen kann. Das Ergebnis ist der typische Schwindel beim Aufstehen nach dem Training, im ungünstigen Fall ein Kollaps.

Leichte Bewegung dagegen hilft gleich dreifach: Sie hält den Kreislauf in Gang, sie kann gegen das Frieren helfen, das viele Fastende plagt — solange sie leicht bleibt, denn Wärme durch Anstrengung zu erzwingen geht beim Fasten nach hinten los —, und sie gibt der Muskulatur das Signal, dass sie gebraucht wird. Dieser Reiz bremst den Abbau — ohne Energie zu verlangen, die nicht da ist. Ausführlich unter Muskelverlust beim Fasten vermeiden.

Der Sprechtest: das richtige Tempo ohne Uhr

Du brauchst keine Pulsuhr, um die richtige Belastung zu finden. Es genügt eine Frage: Kannst du noch in ganzen Sätzen sprechen?

Der Sprechtest ist erstaunlich gut untersucht. Persinger und Kollegen zeigten, dass er zuverlässig mit der Schwelle übereinstimmt, an der die Atmung von ruhig zu angestrengt kippt, und mit den üblichen Empfehlungen für moderate Belastung. Solange du reden kannst, bist du im richtigen Bereich. Bringst du nur noch einzelne Wörter heraus, bist du darüber.

Beim Fasten ist das die Obergrenze, nicht das Ziel. Wer beim Gehen merkt, dass Sätze schwerer werden, geht langsamer.

Worauf du in den ersten Tagen achtest

Die ersten drei Fastentage sind die Umstellungsphase, und in ihr ist der Kreislauf am wenigsten verlässlich.

  • Kurze Runden in der Nähe. Eine Viertelstunde um den Block statt eine Stunde in den Wald. Falls es dir schlecht wird, bist du schnell zu Hause.
  • Langsam aufstehen, bevor du losgehst — erst sitzen, dann stehen, dann gehen. Der meiste Schwindel beim Fasten entsteht in den Sekunden nach dem Aufstehen, nicht beim Gehen selbst.
  • Vorher trinken, eine Tasse gesalzene Brühe am Tag nicht vergessen. Die Salzfrage entscheidet mit, wie stabil der Kreislauf ist; siehe Elektrolyte beim Fasten.
  • Nicht bei Hitze und nicht direkt nach der Sauna.

Wann du aufhörst

Bei diesen Zeichen ist die Einheit vorbei, nicht erst nach der nächsten Kurve:

  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Schwarzwerden vor den Augen, starker Schwindel
  • Übelkeit, die beim Weitergehen zunimmt
  • Verwirrtheit, ungewöhnliche Benommenheit

Hinsetzen, bei Bedarf hinlegen, nicht allein bleiben. Herzrasen und Schwarzwerden vor den Augen sind in der Symptom-Ampel rote Zeichen — dann wird nicht nur die Runde beendet, sondern das Fasten. Wer an einem Tag mehrfach schwindlig wird, liest Schwindel beim Fasten.

Die Aufbautage: noch nicht wieder trainieren

Nach dem Fastenbrechen fühlen sich viele sofort wieder kräftig. Das täuscht. Der Kreislauf ist in den Aufbautagen noch nicht stabil, und mit den ersten Kohlenhydraten verschiebt sich der Wasserhaushalt erneut. Gehen und Dehnen ja — Training erst, wenn der Aufbau abgeschlossen ist.

Danach: warum Gehen die Gewohnheit ist, die bleibt

Hier entscheidet sich, ob das Fasten etwas gebracht hat. Abnehmen kann fast jeder, halten fast keiner — und die Bewegungsgewohnheit gehört zu den Dingen, die den Unterschied machen.

Das National Weight Control Registry sammelt seit 1993 Menschen, die ihr Gewicht nach einer deutlichen Abnahme über Jahre gehalten haben. Catenacci und Kollegen haben ihre Bewegungsgewohnheiten ausgewertet: Die Teilnehmenden sind im Schnitt ausgesprochen aktiv — aber mit so grosser Streuung, dass sich daraus keine einzelne Empfehlung ableiten lässt. Es gibt nicht die eine richtige Menge.

Was sich daraus ableiten lässt, ist eine andere Frage: nicht welche Bewegung am meisten verbrennt, sondern welche du in einem Jahr noch machst. Und da hat Gehen einen Vorteil, den kein Trainingsplan hat — es braucht keine Ausrüstung, keinen Termin im Studio, keine Überwindung. Es passt in den Alltag, statt ihn umzubauen.

Wie viel Gehen allein zum Abnehmen beiträgt und wo die Grenzen liegen, fasst Solvitalk zusammen: was die Studien zu Gehen und Abnehmen wirklich zeigen. Die ehrliche Kurzfassung dort: Das Defizit entsteht überwiegend über das Essen, der Wert des Gehens liegt im Durchhalten.

Ab etwa Woche sechs nach dem Fasten kommt Krafttraining dazu, zweimal pro Woche. Muskeln sind das einzige Gewebe, das dauerhaft Energie verbraucht; wer sie aufbaut, macht die Ausgangslage für das Halten besser. Der Plan dazu steht unter Gewicht halten nach dem Fasten.

Der Kopf ist die härtere Hälfte

Körperlich wird das Fasten ab Tag vier meist leichter. Schwierig wird dann der Kopf: Langeweile, Essen um dich herum, die Abende. Dasselbe gilt für die Wochen danach, wenn die neue Gewohnheit noch keine ist.

Was dabei oft trägt, ist erstaunlich einfach: ein fester Termin mit einem Menschen. Ein Vorsatz lässt sich jederzeit verschieben, ein Treffen nicht so leicht. Warum das funktioniert und woran es meistens scheitert, beschreibt ein Artikel über Accountability-Partner.

Genau darauf baut Solvitalk auf: 25 Minuten Gespräch, während beide spazieren gehen — jeder für sich, verbunden nur per Audio. Beim Fasten verbindet das zwei Dinge, die sonst getrennt geplant werden müssten: die Bewegung, die du ohnehin machen solltest, und die Ablenkung zu einer Tageszeit, an der sie am meisten fehlt.

Offenlegung: Solvitalk ist ein Schwesterprojekt dieser Seite. Ich erwähne es hier, weil es zum Thema passt — nicht, weil es für das Fasten nötig wäre. Gehen mit einer Freundin am Telefon erfüllt denselben Zweck.

Begriffe in diesem Text

Sprechtest
Einfache Methode, die Belastung ohne Messgerät einzuschätzen: Wer beim Bewegen noch in ganzen Sätzen sprechen kann, liegt im moderaten Bereich. Wer nur noch einzelne Wörter herausbringt, ist darüber.
Moderate Intensität
Belastung, bei der Atmung und Puls spürbar steigen, ein Gespräch aber noch möglich ist. Beim Fasten die Obergrenze, nicht das Ziel.
Orthostatischer Schwindel
Kurzer Schwindel beim Aufstehen, weil der Blutdruck nicht schnell genug nachregelt. Beim Fasten häufiger, weil der Blutdruck insgesamt sinkt.

Häufige Fragen

Welcher Sport ist beim Fasten erlaubt?

Gehen, leichtes Dehnen, ruhiges Yoga ohne Umkehrhaltungen und Alltagsbewegung. Alles, bei dem du dich noch unterhalten könntest. Nicht geeignet sind Krafttraining, Intervalltraining, Laufen im Wettkampftempo und Einheiten über etwa einer Stunde.

Wie viel Bewegung ist beim Fasten sinnvoll?

Als Richtwert 20 bis 45 Minuten Gehen am Tag, gern auf zwei Runden verteilt. Mehr ist nicht besser: Die Energie für längere Belastung ist nicht verfügbar, und das Risiko für Schwindel steigt. In den ersten drei Tagen eher kürzer.

Darf ich beim Wasserfasten joggen?

Lockeres Joggen im Gesprächstempo ist für Geübte ab etwa Tag vier möglich, aber nicht nötig und nicht besser als zügiges Gehen. In den ersten Tagen und bei jedem Schwindel: nein. Wer zum Joggen erst motiviert werden muss, hat beim Fasten keinen Grund dafür.

Ist Sport beim Fasten gesund?

Leichte Bewegung ja — sie hält den Kreislauf in Gang, kann gegen das Frieren helfen und bremst den Muskelabbau. Intensiver Sport nein, weil er Energie verlangt, die nicht da ist, und Kreislaufprobleme wahrscheinlicher macht. Die Konsensleitlinien zur Fastentherapie sehen moderate Bewegung als Teil des Fastens vor, kein Training.

Kann ich beim Fasten in die Sauna?

In den ersten Fastentagen besser nicht. Sauna weitet die Gefässe und kostet Flüssigkeit, beim Fasten ist der Blutdruck ohnehin niedriger — beim Aufstehen danach ist das Risiko für Schwindel und Stürze deutlich erhöht. Wer es trotzdem tut: kurz, nicht heiss, langsam aufstehen, danach salzen und trinken.

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Quellen

  1. Persinger R. et al. (2004): Consistency of the talk test for exercise prescription. Medicine & Science in Sports & Exercise.
  2. Catenacci V. A. et al. (2008): Physical activity patterns in the National Weight Control Registry. Obesity.
  3. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.

Fehlt eine Quelle oder ist etwas veraltet? Schreib mir — ich korrigiere das und schreibe dazu, was sich geändert hat.