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Die Aufbautage

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Der Aufbau dauert etwa einen Tag pro drei Fastentage, mindestens zwei und höchstens vierzehn Tage. Tag eins ist flüssig, Tag zwei weich und gedünstet, dann kommen Fermente und wenig Eiweiß dazu, zuletzt Vollkorn und Rohkost. Je länger du gefastet hast, desto langsamer und kleiner der Einstieg — und je länger, desto ernster das Risiko eines Refeeding-Syndroms.

Wie lange der Aufbau dauert

Die Regel lautet: etwa ein Aufbautag pro drei Fastentage, mindestens zwei, höchstens vierzehn. Nach drei Fastentagen also zwei Aufbautage, nach sieben Tagen drei, nach zehn Tagen vier, nach dreissig Tagen zehn.

Den Plan für deine tatsächliche Fastendauer — nicht die geplante — erzeugt der Refeeding-Planer. Wer nach acht von zwanzig Tagen abgebrochen hat, baut für acht Tage auf.

Die Stufen, in der richtigen Reihenfolge

Der Aufbau überspringt keine Stufe. Jede baut auf der vorherigen auf, und der Zwischenschritt „weich und gedünstet” ist der, der am häufigsten weggelassen wird — mit vorhersehbaren Beschwerden.

Stufe 1 — flüssig

Gemüsebrühe, verdünnter Gemüsesaft im Verhältnis ein Teil Saft zu zwei Teilen Wasser, Kräutertee. Klassisch dazu ein gedünsteter Apfel.

Menge: 150 bis 250 Milliliter pro Portion, vier bis sechs Portionen über den Tag. Nicht: Zucker, Fett, Milchprodukte, Kaffee, Alkohol.

Der wichtigste Punkt steht in keiner Lebensmittelliste: sehr langsam essen und jeden Bissen kauen. Der Darm hat pausiert. Er braucht ein Signal, keine Ladung.

Stufe 2 — weich und gedünstet

Karotte, Zucchini, Fenchel, Kürbis. Kartoffel ohne Fett. Dünner Reis- oder Haferschleim.

Menge: 150 bis 250 Gramm pro Mahlzeit, drei Mahlzeiten plus Brühe. Noch nicht: Rohkost, Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Vollkorn, Fleisch. Diese Gruppe ist in den ersten Tagen die häufigste Beschwerdeursache.

Stufe 3 — erste Fermente

Naturjoghurt oder Kefir in kleiner Menge, ein Schluck Sauerkrautsaft, weich gekochte Haferflocken, ein Teelöffel gutes Öl pro Mahlzeit. Fermentiertes hilft der Darmflora beim Wiederanlaufen — klein anfangen, auf Blähungen achten.

Stufe 4 — Eiweiß in kleinen Mengen

Weich gekochtes Ei, Magerquark, gut gekochte Linsen, gedünsteter Fisch. Eiweiß schützt die Muskulatur in dieser Phase, siehe Muskelverlust vermeiden — aber nicht am ersten Tag und nicht in Menge.

Stufe 5 — vollwertig, aber ruhig

Vollkorn in kleinen Mengen, eine kleine Handvoll Nüsse, Geflügel oder Fisch, Rohkost normal, hochwertige Fette. Ab hier entscheidet sich, ob das Ergebnis hält. Die Aufbauphase ist der Anfang der Umstellung, nicht ihr Ende.

Was in diesen Tagen typischerweise schiefgeht

Die Belohnungsmahlzeit. Nach fünf Tagen Fasten ein Restaurantbesuch. Der Klassiker, meist mit unangenehmen und im schlechten Fall mit gefährlichen Folgen.

Zu viel Kohlenhydrat zu früh. Der Insulinanstieg ist der Auslöser des Refeeding-Syndroms. Ein Teller Nudeln am ersten Tag ist die schlechteste Idee der ganzen Fastenkur.

Zu schnell essen. Sättigung kommt verzögert. Wer schnell isst, isst zu viel, bevor er es merkt.

Den Aufbau nach der geplanten statt der tatsächlichen Dauer richten.

Die Waage falsch lesen. Ein bis zweieinhalb Kilogramm kommen zurück, das ist Wasser mit dem Glykogenspeicher. Wer das für Fett hält, gibt genau hier auf — mehr dazu unter Wie viel nimmt man ab.

Die Warnzeichen der ersten 72 Stunden

Das eigentliche Risiko liegt jetzt nicht mehr im Fasten, sondern im Wiederessen. Wenn eines dieser Zeichen auftritt: Essen stoppen und ärztlich abklären.

  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Wassereinlagerungen in Beinen oder Gesicht
  • Muskelschwäche, Muskelzucken, Krämpfe
  • Verwirrtheit, Wortfindungsstörungen
  • Atemnot
  • Sehr starke Müdigkeit direkt nach dem Essen, die nicht nachlässt

Das Risiko steigt mit der Fastendauer: ab etwa fünf Tagen relevant, ab zehn Tagen erheblich. Ab zehn Fastentagen gehört der Aufbau ärztlich begleitet, mit Kontrolle von Phosphat, Kalium, Magnesium und Natrium.

Der Übergang, der über alles entscheidet

Die letzte Aufbaustufe ist gleichzeitig der erste Tag der Ernährungsumstellung. Wer die Aufbautage abhakt und dann in die alten Gewohnheiten zurückfällt, hat in wenigen Wochen das Gewicht zurück.

Deshalb steht am Ende dieses Plans kein Abschluss, sondern ein Anfang: Ernährungsumstellung nach dem Fasten.

Häufige Fragen

Wie lange muss ich aufbauen?

Als Regel: ein Aufbautag pro drei Fastentage, mindestens zwei, höchstens vierzehn. Nach drei Fastentagen also zwei Aufbautage, nach zehn Tagen vier. Den genauen Plan rechnet der Refeeding-Planer aus.

Was ist, wenn ich schon zu viel gegessen habe?

Nach kurzem Fasten von wenigen Tagen ist das meist unangenehm, aber nicht gefährlich — rechne mit Bauchschmerzen, Blähungen und starker Müdigkeit. Iss danach einige Stunden nichts und steig bewusst klein wieder ein. Nach längerem Fasten und bei Herzrasen, Wassereinlagerungen oder Muskelschwäche gehört das ärztlich abgeklärt.

Darf ich in den Aufbautagen Sport machen?

Leichte Bewegung ja, Training nein. Die Energie fehlt noch, und der Kreislauf ist noch nicht stabil. Krafttraining wird erst danach relevant — dann aber als Dauergewohnheit.

Warum nehme ich in den Aufbautagen wieder zu?

Weil sich der Glykogenspeicher füllt und Wasser mitbringt. Ein bis zweieinhalb Kilogramm sind normal und kein Rückschlag. Fett kommt in dieser Zeit nicht zurück.

Quellen

  1. Mehanna H. M. et al. (2008): Refeeding syndrome — what it is, and how to prevent and treat it. BMJ.
  2. NICE Guideline CG32: Nutrition support for adults.
  3. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.

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