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Entlastungstage richtig gestalten

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Entlastungstage sind ein bis drei Tage mit leichter Kost, reduziertem Koffein, ohne Zucker und Alkohol und mit kleineren Portionen. Sie sind kein Ritual, sondern Symptomvermeidung: Wer regelmässig Kaffee trinkt, hat an den ersten Fastentagen oft Kopfschmerzen vom Koffeinentzug — die lassen sich so vermeiden. Der Rest ist Erfahrungswissen aus der Fastenpraxis. Faustregel: ein Entlastungstag bis zwei Fastentage, zwei bis fünf Fastentage, drei darüber.

Warum Entlastungstage nicht Folklore sind

Die Fastenliteratur schreibt sie vor, aber selten mit Begründung — und deshalb lassen sie viele weg. Die Begründung ist einfach, und ihr wichtigster Teil ist überprüfbar:

Koffeinentzug. Wer regelmässig Kaffee trinkt und ihn abrupt weglässt, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit Kopfschmerzen, oft begleitet von Reizbarkeit und Müdigkeit. Der Übersichtsartikel von Juliano und Griffiths beschreibt das als klar umschriebenes Entzugssyndrom mit einem Maximum nach etwa 20 bis 51 Stunden. Genau das ist Fastentag eins und zwei. Der Kopfschmerz kommt dann oft nicht vom Fasten, sondern vom Kaffee, der fehlt.

Blutzucker und Insulin. Wer am Vortag noch Kuchen und Pasta isst, startet mit vollen Glykogenspeichern und hohem Insulin. Bis die Speicher leer sind und die Umstellung auf Ketonkörper läuft, dauert es dann länger.

Magen und Portionsgefühl. Hunger kommt in den ersten Fastentagen in Wellen, meist zu den gewohnten Essenszeiten — ein grosser Teil davon ist Gewohnheit. Wer die Portionen schon vorher verkleinert, fängt damit früher an.

Ehrlich eingeordnet: Gut belegt ist davon der Koffeinentzug. Die beiden anderen Punkte sind physiologisch plausibel und Erfahrungswissen aus der Fastenpraxis, aber nicht in Studien verglichen. Wie gut belegt ist, wann und wie der Hunger beim Fasten nachlässt, steht unter Wasserfasten in Daten.

Die Entlastungstage sind der letzte Schritt der Vorbereitung, nicht der erste. Was vorher entschieden sein muss — Dauer, Termin, ärztliche Abklärung, Einkauf, Abbruchplan — steht unter Vorbereitung aufs Fasten.

Wie viele Tage?

  • Bis 2 Fastentage: 1 Entlastungstag
  • 3 bis 5 Fastentage: 2 Entlastungstage
  • Mehr als 5 Fastentage: 3 Entlastungstage

Den passenden Plan mit Datumsangaben und Einkaufsliste rechnet der Fastenplan-Generator aus.

Der konkrete Plan

Drei Tage vorher — Reizstoffe herunterfahren

Essen: normale, aber leichte Mahlzeiten. Viel Gemüse, Reis, Kartoffeln, Haferflocken.

Weglassen: Kaffee auf die Hälfte, Alkohol ganz, Zucker und Süssigkeiten, Fertigprodukte.

Zu tun: Ausgangswerte erfassen — Gewicht, wenn möglich Blutdruck. Erstes Foto. Und: eine Person informieren, die weiss, dass du fastest.

Zwei Tage vorher — leichte Kost

Essen: gedünstetes Gemüse, Reis oder Kartoffeln, etwas Obst, Gemüsebrühe.

Weglassen: kein Fleisch, keine Milchprodukte in Menge, kein Kaffee mehr, kein Zucker.

Zu tun: Trinkflasche und Tee bereitstellen. Aufbauplan ausdrucken — nicht erst am letzten Fastentag.

Ein Tag vorher — der Übergang

Essen: Reis mit gedünstetem Gemüse, ein gedünsteter Apfel, Gemüsebrühe. Viel Wasser und Kräutertee.

Weglassen: nichts Schweres, kein Abendessen nach 19 Uhr.

Zu tun: Termine für die ersten Fastentage entschärfen. Und einmal Warnzeichen erkennen und Fasten sicher abbrechen lesen — im Ernstfall willst du das nicht suchen müssen.

Und die Darmentleerung?

Viele entleeren den Darm am ersten Fastentag mit Glaubersalz. Das ist die klassische Methode und nicht zwingend — mit zwei sorgfältigen Entlastungstagen ist der Darm deutlich weniger gefüllt, und ganz leer wird er ohnehin nie. Welche Alternativen es gibt und was von der Entleerung belegt ist, steht unter Fasten ohne Glaubersalz. Wer es machen will: Glaubersalz ist ein Arzneimittel und bei Darm-, Nieren- oder Herzerkrankungen sowie unter bestimmten Medikamenten gefährlich. Kläre es vorher ärztlich ab.

Menge, Wassermenge und den zeitlichen Ablauf rechnet der Glaubersalz-Rechner aus — mit allen Gegenanzeigen und der Natriumlast, die bei diesem Mittel regelmässig unterschätzt wird.

Was in diesen Tagen ins Haus kommt — und was nicht

Die Einkaufsliste hat zwei Teile, und der zweite ist der wichtigere: was nicht im Haus sein soll. Süssigkeiten, Chips, Softdrinks, Alkohol, Fertiggerichte. Nicht für die Fastentage — dort ist die Regel klar — sondern für die Aufbautage danach, wenn die Regel weicher wird und der Appetit zurückkommt.

Verfügbarkeit schlägt Willenskraft. Das ist keine Charakterschwäche, das ist die Standardausstattung.

Die häufigsten Fehler

Am letzten Abend nochmal richtig essen. „Bevor es losgeht, nochmal was Gutes“ ist verständlich und macht den ersten Fastentag nach der Erfahrung der meisten schwerer.

Kaffee bis zum Schluss. Siehe oben. Wer nicht reduzieren will, sollte wenigstens wissen, warum der Kopf am zweiten Tag brummt.

Aus dem Stress heraus starten. Fasten ist selbst eine Belastung. Zwei gleichzeitig gehen meistens schief. Wenn die Woche ohnehin voll ist, verschiebe den Start.

Ohne Salz planen. Beim Fasten scheidet die Niere Natrium aus, Wasser folgt — ohne Salz sind Schwindel beim Aufstehen und Kopfschmerz wahrscheinlicher. Warum, steht unter Elektrolyte beim Fasten.

Häufige Fragen

Kann ich die Entlastungstage weglassen?

Du kannst, aber es kann dich etwas kosten. Belegt ist vor allem ein Teil: Wer Kaffee abrupt weglässt, bekommt häufig Kopfschmerzen, Müdigkeit und Reizbarkeit — genau an Fastentag eins und zwei. Dass leichte Kost und kleinere Portionen den Einstieg erleichtern, ist Erfahrungswissen aus der Fastenpraxis; eine Studie, die Fasten mit und ohne Entlastungstage vergleicht, gibt es nicht. Der Aufwand ist gering.

Was esse ich an Entlastungstagen?

Gedünstetes Gemüse, Kartoffeln, Reis, Haferflocken, etwas Obst, Gemüsebrühe. Keine Fertigprodukte, kein Zucker, kein Alkohol, kein Fleisch am letzten Tag. Portionen bewusst kleiner als gewohnt.

Brauche ich eine Darmentleerung?

Sie ist nicht zwingend. Klassisch wird Glaubersalz verwendet, manche empfinden das Fasten danach als leichter. Glaubersalz ist ein Arzneimittel — bei Darm-, Nieren- oder Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Medikamenteneinnahme gehört die Anwendung vorher ärztlich abgeklärt. Menge und Ablauf rechnet der Glaubersalz-Rechner aus.

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Quellen

  1. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.
  2. Juliano L. M., Griffiths R. R. (2004): A critical review of caffeine withdrawal. Psychopharmacology.

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