Glaubersalz-Rechner für den ersten Fastentag
Wähle dein Produkt aus, trag dein Gewicht ein und du bekommst die Menge, die Wassermenge und den Zeitplan. Wichtig ist die Wirkstoffangabe auf der Packung: Decahydrat und wasserfreies Natriumsulfat unterscheiden sich in der Menge um mehr als das Doppelte.
Nur in Absprache mit deinem Arzt!
Glaubersalz ist ein Arzneimittel, kein Lebensmittel. Es verschiebt Flüssigkeit und Elektrolyte erheblich. Bei Darmerkrankungen, Nieren- oder Herzerkrankung, Bluthochdruck, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei bestimmten Medikamenten ist es gefährlich. Kläre Anwendung und Menge vorher ärztlich oder in der Apotheke ab. Dieser Rechner gibt die Angaben der klassischen Fastenliteratur wieder — er ist keine Dosierungsempfehlung und ersetzt kein Arztgespräch.
Die Packungsbeilage deines Produkts schlägt jede Zahl auf dieser Seite. Bei Glaubersalz als Abführmittel nennen Beipackzettel häufig eine niedrigere Menge als die Fastenliteratur. Weicht sie ab, gilt die Packungsbeilage.
Bei starken Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen, Kreislaufkollaps oder ausbleibendem Stuhlgang mit Blähbauch: Anwendung abbrechen und ärztliche Hilfe suchen. Notruf 112.
Wann du Glaubersalz nicht anwenden darfst Trifft einer dieser Punkte auf dich zu, ist die Anwendung ohne ärztliche Freigabe nicht vertretbar. Zum Aufklappen tippen 12 Punkte
Der erste Punkt ist der gefährlichste: Bei einem Darmverschluss kann ein Abführmittel zu einer Perforation führen.
- Bekannter Darmverschluss, Darmverengung oder unklare akute Bauchschmerzen Ein Abführmittel bei mechanischem Hindernis kann zu einer Perforation führen. Die gefährlichste Konstellation überhaupt.
- Schwangerschaft oder Stillzeit Flüssigkeits- und Elektrolytverschiebungen sind in dieser Zeit nicht vertretbar.
- Alter unter 18 Jahren Abführmittel dieser Stärke sind bei Kindern und Jugendlichen nicht angezeigt.
- Entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder Divertikulitis Die entzündete Schleimhaut reagiert unkalkulierbar, ein Schub kann ausgelöst werden.
- Operation am Darm in der Vorgeschichte Verwachsungen erhöhen das Risiko für einen Verschluss.
- Nierenerkrankung oder eingeschränkte Nierenfunktion Die Niere muss Natriumlast und Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Ist sie eingeschränkt, entgleist der Elektrolythaushalt.
- Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörung Natriumlast und Flüssigkeitsverschiebung belasten das Herz zusätzlich.
- Bluthochdruck, besonders unter salzarmer Ernährung Glaubersalz ist ein Natriumsalz. Die Natriummenge einer Dosis übersteigt die Tagesempfehlung um ein Mehrfaches.
- Bekannte Elektrolytstörung oder Einnahme von Entwässerungstabletten Diuretika und Abführmittel verstärken sich gegenseitig — Kalium kann gefährlich absinken.
- Einnahme von Lithium, Digitalis, Kortison oder Herzmedikamenten Die Wirkspiegel verändern sich durch Flüssigkeits- und Kaliumverschiebung. Bei Lithium ist das unmittelbar gefährlich.
- Essstörung, aktuell oder in der Vorgeschichte Abführmittel sind ein zentrales Symptom bei Essstörungen. Die Anwendung kann alte Muster reaktivieren.
- Bestehender Flüssigkeitsmangel, Erbrechen oder Durchfall Der Körper hat keine Reserve für einen zusätzlichen Verlust.
Wozu die Darmentleerung überhaupt gut ist
Sie ist nicht zwingend. Man kann fasten, ohne den Darm zu entleeren. Die klassische Fastenliteratur setzt sie trotzdem an den Anfang, und zwar aus zwei nachvollziehbaren Gründen: Ein leerer Darm dämpft das Hungergefühl in den ersten Tagen, weil keine Restverdauung mehr läuft. Und der Übergang in die Ketose fühlt sich für viele glatter an.
Decahydrat oder wasserfrei — die Frage, die über die Menge entscheidet
In deutschen Apotheken wird Glaubersalz als Natriumsulfat-Decahydrat verkauft. Das steht so auf der Packung, zum Beispiel bei Bombastus Glaubersalz. Decahydrat heisst: Das Salz bringt zehn Moleküle Kristallwasser pro Molekül mit. Ein Gramm davon enthält deshalb nur etwa 44 Prozent der Wirkmenge von einem Gramm wasserfreiem Natriumsulfat.
Die klassische Fastenangabe „30 bis 40 Gramm Glaubersalz" bezieht sich auf dieses Decahydrat-Produkt. Wer sie fälschlich als wasserfreie Menge liest und umrechnet, landet bei über 80 Gramm Produkt — mehr als der doppelten Dosis. Genau deshalb fragt dieser Rechner das Produkt ab und nennt bei unklarer Angabe bewusst keine einzelne Zahl.
Wer wasserfreies Natriumsulfat hat, braucht weniger, nicht mehr. Das ist die Richtung, die am häufigsten verwechselt wird.
Warum es keine dritte Stufe mit mehr Salz gibt
Die gründliche Stufe steigert nicht die Dosis über den belegten Bereich hinaus, sondern die begleitenden Maßnahmen. Das hat einen fachlichen Grund: Der Wirkbeginn hängt an der Magenentleerung und am osmotischen Sog im Darm, nicht linear an der Menge. Mehr Salz wirkt nicht früher und nicht zuverlässiger — es erhöht Übelkeit, Erbrechen und den Flüssigkeitsverlust. Und wer erbricht, hat die Dosis komplett verloren.
Was die Entleerung tatsächlich gründlicher macht, ist das Nachtrinken von einem bis eineinhalb Litern warmem Wasser über die folgenden zwei Stunden, dazu leichte Bewegung. Reicht das Ergebnis nicht, ist ein Einlauf am Nachmittag der richtige Weg — nicht eine zweite Dosis.
Warum dieser Rechner nicht pro Kilogramm hochrechnet
Die Fastenliteratur nennt eine Pauschaldosis, keine Dosis pro Kilogramm. Eine linear fortgeschriebene Formel würde für einen 200 Kilogramm schweren Menschen eine Menge ausgeben, für die keine Quelle existiert. Dein Gewicht positioniert dich deshalb nur innerhalb des belegten Bereichs. Ab etwa 100 Kilogramm ändert sich die Zahl nicht mehr.
Die Natriumlast, über die niemand spricht
Glaubersalz ist ein Natriumsalz. 40 Gramm Decahydrat enthalten rund 5,7 Gramm Natrium — das entspricht etwa 14 Gramm Kochsalz. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt sechs Gramm Kochsalz am Tag.
Der grösste Teil bleibt im Darm und wird ausgeschieden — das ist gerade der Wirkmechanismus. Ein Teil wird aber aufgenommen, und wie viel, ist individuell. Genau deshalb ist Glaubersalz bei Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder eingeschränkter Nierenfunktion ein echtes Problem und keine Formalie.
Wenn nichts passiert
Bei manchen Menschen wirkt Glaubersalz kaum. Die richtige Reaktion ist dann nicht eine zweite Dosis. Nachdosieren ist der häufigste schwere Fehler bei diesem Mittel — der Flüssigkeitsverlust addiert sich, und die Wirkung setzt dann oft geballt ein. Stattdessen: warmes Wasser oder Kräutertee trinken, bewegen, Bauch im Uhrzeigersinn massieren. Nach drei bis vier Stunden ohne Wirkung ärztlich nachfragen statt nachlegen.
Ausbleibender Stuhlgang mit Blähbauch und Bauchschmerzen ist ein Warnzeichen, kein Geduldsthema.
Sanftere Alternativen
- Bittersalz (Magnesiumsulfat) — wirkt ähnlich, liefert Magnesium statt Natrium. Bei Nierenerkrankung dafür problematischer, weil Magnesium sich anreichern kann. Andere Dosierung, nicht mit diesem Rechner übertragbar.
- Einlauf oder Klistier — wirkt nur örtlich, keine Salzlast im Körper, gut steuerbar. Die verträglichste Variante bei Bluthochdruck oder Herzthemen.
- Nichts davon — mit zwei sorgfältigen Entlastungstagen ist der Darm ohnehin weitgehend leer.
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Ein Abführmittel verkürzt die Zeit, in der Wirkstoffe im Darm aufgenommen werden. Bei der Antibabypille kann dadurch der Schutz entfallen, und bei Lithium oder Digitalis verändert sich der Wirkspiegel. Wer Medikamente nimmt, sollte das vorher ansprechen — siehe Medikamente und Fasten.
Welche Variante für dich passt, entscheidet die ärztliche Praxis — nicht ein Rechner und auch nicht ich. Was ich als Ernährungsberater beitragen kann, ist der Ablauf drumherum: Entlastungstage, der Ablauf der Fastenkur und der Aufbauplan danach.