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Wasserfasten und Buchinger-Heilfasten im Vergleich

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

Beim Buchinger-Heilfasten sind täglich etwa 250 bis 500 Kilokalorien aus Saft, Gemüsebrühe und etwas Honig vorgesehen; beim Wasserfasten null. Buchinger ist dadurch verträglicher, besser untersucht und für längere Zeiträume geeignet. Wasserfasten führt schneller und tiefer in die Ketose, ist aber anspruchsvoller und hat eine dünnere Studienlage. Die Ergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen: Das LDL-Cholesterin etwa steigt beim Wasserfasten während der Fastentage oft deutlich, beim Buchinger-Fasten sinkt es.

Der Unterschied in einer Zeile

Buchinger erlaubt eine kleine Kalorienmenge, Wasserfasten keine. Alles andere folgt daraus.

WasserfastenBuchinger-Heilfasten
Zufuhrnur Wasser (in der Praxis auch Tee, oft Brühe)ca. 250–500 kcal aus Saft, Brühe, Honig
Ketosenach ca. 24–48 Stunden, tieferetwas später und flacher, aber vorhanden
Verträglichkeitanspruchsvollermilder, weniger Kreislaufprobleme
Übliche Dauer1–5 Tage ohne Begleitung5–21 Tage, meist begleitet
Studienlagedünndeutlich mehr Daten, aber fast nur Beobachtungsstudien aus Kliniken
LDL-Cholesterin während des Fastenssteigt oft deutlichsinkt
Entlastung/Aufbauerforderlichfester Bestandteil des Protokolls

Was die kleine Kalorienmenge praktisch verändert

Die 250 bis 500 Kilokalorien klingen nach einem Kompromiss, sind aber eine funktionale Entscheidung. Der Saft liefert Kalium, die Brühe Natrium. Genau diese beiden Elektrolyte sind es, deren Verlust beim reinen Wasserfasten für Schwindel, Kopfschmerzen und Muskelkrämpfe sorgt. Die Ketose wird dadurch nur verzögert und abgeflacht, nicht verhindert: In einer Auswertung von Grundler und Kollegen mit 1610 Buchinger-Fastenden fanden sich ab dem vierten Tag bei über 95 % Ketonkörper im Urin. Wer nur Brühe nahm und Saft und Honig wegliess, hatte eine deutlich stärkere Ketose.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt, den man nicht unterschätzen sollte: dreimal am Tag etwas Warmes zu trinken, strukturiert den Tag. Beim reinen Wasserfasten fällt diese Struktur weg, und mit ihr ein Stück Halt.

Warum die Studienlage so unterschiedlich ist

Das Buchinger-Protokoll wird seit Jahrzehnten in Kliniken angewendet und dort dokumentiert. Die 2019 veröffentlichte Auswertung von 1.422 Fastenperioden über 4 bis 21 Tage und die Folgeauswertungen mit 1610 Fastenden aus derselben Klinik sind die grössten Datensammlungen, die es zum längeren Fasten gibt. Zur Einordnung gehört: Es sind Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppe, und viele der Autorinnen und Autoren sind an der Klinik angestellt. Der Interessenkonflikt ist offengelegt, aber er ist ein Grund, die Ergebnisse vorsichtig zu lesen.

Für reines Wasserfasten über mehrere Tage existiert nichts Vergleichbares. Es gibt Fallberichte, kleine Studien, oft mit nur zehn bis dreissig Teilnehmenden, eine grössere Aktenauswertung aus einer Fastenklinik und viel Erfahrungswissen aus Foren. Wer behauptet, Wasserfasten sei „nachweislich besser“, hat diese Datenlage nicht gelesen. Ehrlicher ist: es ist weniger untersucht, nicht schlechter untersucht mit negativem Ergebnis.

Auch die Verträglichkeit lässt sich aus den Zahlen nicht sauber vergleichen. In der Wasserfasten-Aktenauswertung von Finnell und Kollegen hatte gut ein Viertel eine Beinahe-Ohnmacht, in der Buchinger-Kohorte wurden bei unter 1 % überhaupt Nebenwirkungen erfasst. Der Unterschied ist zu gross, um nur am Fasten zu liegen — er hängt auch daran, wie genau erfasst wurde. Wie die Studien bewertet sind, steht unter Wasserfasten in Daten.

Wo die Ergebnisse auseinandergehen

Weil die meisten grossen Studien Buchinger-Studien sind, werden ihre Ergebnisse oft einfach auf das Wasserfasten übertragen. Bei den Blutfetten geht das nachweislich schief. Beim Buchinger-Fasten sank das LDL-Cholesterin in einer Studie von Grundler und Kollegen über 14 Tage. Beim reinen Wasserfasten stieg es bei schlanken Gesunden nach einer Woche um rund zwei Drittel (Sävendahl und Underwood), und eine Metaanalyse von Çamli und Kollegen über Wasserfasten-Studien bestätigt die Richtung. Nach dem Aufbau fällt der Wert wieder. Ob der vorübergehende Anstieg schadet, ist nicht untersucht.

Praktisch heisst das: Wer während eines Wasserfastens Blutfette messen lässt, sollte das dazusagen — und eine Aussage wie „Fasten senkt das Cholesterin“ gilt für Buchinger, nicht für Wasser.

Welche Form für wen

Buchinger ist die vernünftigere Wahl, wenn du länger als fünf Tage fasten willst, zu niedrigem Blutdruck neigst, körperlich arbeitest oder zum ersten Mal überhaupt fastest und einen milden Einstieg suchst.

Wasserfasten passt, wenn du einen kurzen, klaren Zeitraum von einem bis drei Tagen willst, ohne täglich Entscheidungen über erlaubte Mengen zu treffen. Die Strenge ist für manche Menschen einfacher als der Kompromiss — „nichts“ ist eine klarere Regel als „ein Viertelliter Saft“.

In beiden Fällen gelten dieselben Ausschlusskriterien: Wer sollte nicht fasten. Und in beiden Fällen entscheidet sich das Ergebnis nach der Kur, nicht in ihr.

Häufige Fragen

Was ist gesünder: Wasserfasten oder Buchinger?

Für längere Zeiträume ist Buchinger die besser untersuchte Variante und gilt als verträglicher. Die kleine Kalorienmenge liefert Natrium und Kalium, ohne die Ketose zu verhindern; direkt miteinander verglichen wurden beide Formen allerdings nie. Für ein bis drei Tage sind die Unterschiede klein.

Verhindert der Saft beim Buchinger-Fasten die Ketose?

Nein. 250 bis 500 Kilokalorien aus Saft und Brühe bremsen die Ketose etwas, verhindern sie aber nicht. Die Umstellung dauert dadurch typischerweise etwas länger.

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Quellen

  1. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2019): Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLoS One.
  2. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines.
  3. Grundler F. et al. (2024): Long-Term Fasting-Induced Ketosis in 1610 Subjects: Metabolic Regulation and Safety. Nutrients.
  4. Grundler F. et al. (2021): Long-term fasting improves lipoprotein-associated atherogenic risk in humans. Eur J Nutr.
  5. Sävendahl L. & Underwood L. E. (1999): Fasting increases serum total cholesterol, LDL cholesterol and apolipoprotein B in healthy, nonobese humans. J Nutr.
  6. Çamli A. et al. (2026): Duration-dependent effects of water-only fasting on blood lipids: a systematic review, meta-analysis, and threshold meta-regression. Front Nutr.
  7. Finnell J. S. et al. (2018): Is fasting safe? A chart review of adverse events during medically supervised, water-only fasting. BMC Complement Altern Med.

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