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Wer sollte nicht fasten

Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am

Kurz gesagt

In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Essstörungen in der Vorgeschichte, bei insulinpflichtigem Diabetes, Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, bei Untergewicht, unter 18 Jahren, bei aktiver Krebserkrankung und bei bestimmten Medikamenten sollte nicht gefastet werden. In diesen Fällen überwiegt das Risiko jeden möglichen Nutzen — es gibt sanftere Wege, Gewicht zu reduzieren.

Warum diese Seite existiert

Die meisten Seiten zum Fasten sind darauf ausgelegt, dass du anfängst. Diese nicht. Es gibt Situationen, in denen ein Wasserfasten ein Risiko ist, das niemand eingehen muss — und in denen es andere, sichere Wege gibt, Gewicht zu reduzieren.

Wenn einer der folgenden Punkte auf dich zutrifft, ist die Antwort nicht „vorsichtig sein“, sondern „nicht ohne ärztliche Freigabe“.

Die Kriterien im Überblick

KriteriumEinstufung
Schwangerschaft oder StillzeitAusschluss
Essstörung, aktuell oder früherAusschluss
Typ-1-Diabetes oder InsulintherapieAusschluss
Herzerkrankung, Rhythmusstörung, Infarkt oder SchlaganfallAusschluss
Nieren- oder LebererkrankungAusschluss
Aktive KrebserkrankungAusschluss
Untergewicht (BMI unter 18,5)Ausschluss
Alter unter 18 JahrenAusschluss
Unbehandelte SchilddrüsenüberfunktionAusschluss
Zustand nach OrgantransplantationAusschluss
Akute psychische Erkrankung in BehandlungAusschluss
Diuretika, Insulin, Lithium, Antiepileptika, BlutverdünnerAusschluss ohne ärztliche Anpassung
Behandelter Bluthochdruckvorher abklären
Typ-2-Diabetes ohne Insulinvorher abklären
Gicht oder erhöhte Harnsäurevorher abklären
Bekannte Gallensteinevorher abklären
Neigung zu niedrigem Blutdruckvorher abklären
Alter ab 65 Jahrenvorher abklären
BMI zwischen 18,5 und 20vorher abklären
Starke berufliche oder private Belastungvorher abklären

Die Begründung zu jedem Punkt steht unten.

Absolute Ausschlusskriterien

Schwangerschaft und Stillzeit

Der Nährstoffbedarf ist erhöht, nicht gesenkt. Ketonkörper passieren die Plazenta. Es gibt keinen vertretbaren Grund, in dieser Zeit zu fasten.

Essstörung, aktuell oder in der Vorgeschichte

Fasten kann Anorexie, Bulimie und Binge-Eating reaktivieren — die Struktur „streng kontrolliertes Nichtessen“ ist genau das Muster, um das es dabei geht. Auch nach Jahren stabiler Phase bleibt das Risiko.

Insulinpflichtiger Diabetes und Typ-1-Diabetes

Ohne Nahrungszufuhr wird die Insulindosierung unkalkulierbar, das Risiko schwerer Unterzuckerung steigt erheblich. Bei Typ-1 kommt die Gefahr einer Ketoazidose hinzu, die nicht mit der harmlosen Fastenketose zu verwechseln ist.

Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen

Beim Fasten verschieben sich Kalium und Magnesium. Ein vorgeschädigtes Herz reagiert darauf empfindlicher. Nach Herzinfarkt oder Schlaganfall gilt das ebenso.

Nieren- und Lebererkrankungen

Beide Organe sind beim Fasten stark eingebunden — die Leber bei der Ketonproduktion, die Nieren bei der Ausscheidung. Eine Vorschädigung kann sich verschlechtern.

Aktive Krebserkrankung oder onkologische Behandlung

Gewichtsverlust und Nährstoffmangel können den Behandlungserfolg gefährden. Das entscheidet die behandelnde Onkologie, nicht ein Online-Ratgeber und nicht ich.

Untergewicht (BMI unter 18,5)

Ohne Reserven fehlt die physiologische Grundlage. Fasten wäre hier schädlich.

Unter 18 Jahren

Im Wachstum ist Fasten nicht vertretbar.

Unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion

Der Stoffwechsel ist bereits entgleist, Fasten verstärkt das.

Nach Organtransplantation

Immunsuppressive Medikamente und Fasten sind eine gefährliche Kombination.

Akute psychische Erkrankung in Behandlung

Fasten verändert Stimmung, Schlaf und Medikamentenwirkung. In einer akuten Phase ist das eine schlechte Idee.

Medikamente, die ein Fasten ausschließen oder verändern

Das ist der Punkt, der am häufigsten übersehen wird — und der häufigste Grund, warum Fasten schiefgeht.

  • Entwässerungstabletten (Diuretika): verstärken den Elektrolytverlust, der beim Fasten ohnehin passiert.
  • Blutdrucksenker: der Blutdruck sinkt beim Fasten häufig zusätzlich. Die gewohnte Dosis kann dann zu stark wirken.
  • Antidiabetika, besonders Sulfonylharnstoffe und Insulin: Gefahr schwerer Unterzuckerung.
  • Blutverdünner: Wirkung kann sich verändern, Kontrollen sind nötig.
  • Lithium: der Spiegel hängt vom Natrium- und Wasserhaushalt ab. Beim Fasten verschiebt sich beides.
  • Antiepileptika: Wirkspiegel können schwanken.
  • Medikamente, die mit dem Essen eingenommen werden müssen: ohne Mahlzeit ändern sich Verträglichkeit und Aufnahme.

Wichtig: Nichts davon bedeutet, dass du Medikamente absetzen sollst, um fasten zu können. Das Absetzen oder Anpassen entscheidet ausschliesslich die ärztliche Praxis. Warum Fasten überhaupt etwas an der Wirkung verändert und welche fünf Fragen in das Gespräch gehören, steht unter Medikamente und Fasten.

Situationen, in denen es vorher ins Arztgespräch gehört

Kein Ausschluss, aber auch nicht ohne Klärung: behandelter Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes ohne Insulin, Gicht oder erhöhte Harnsäure, bekannte Gallensteine, Neigung zu sehr niedrigem Blutdruck, Alter ab 65, ein BMI zwischen 18,5 und 20. Ausserdem: starke berufliche oder private Belastung, körperlich schwere Arbeit, berufliches Autofahren, und wenn du die ganze Zeit allein bist.

Den vollständigen Durchgang macht der Readiness-Check — er nennt dir zu jedem Punkt die Begründung und lässt sich ausdrucken, damit du ihn in die Praxis mitnehmen kannst.

Wenn du nicht fasten solltest — was dann?

Das ist keine Absage an dein eigentliches Ziel. Für Gewichtsreduktion ist eine schrittweise Ernährungsumstellung dem Fasten überlegen, weil sie das Ergebnis hält. Die Hebel sind bekannt und unspektakulär: Eiweiß zu jeder Mahlzeit, keine Kalorien in Getränken, Gemüse zuerst, feste Essenszeiten. Nachzulesen in Ernährungsumstellung nach dem Fasten — der Text funktioniert auch ohne vorheriges Fasten.

Als Ernährungsberater darf und will ich keine Erkrankungen behandeln. Was ich kann: dir sagen, wo die Grenze verläuft — auch wenn du dann nicht mein Kunde wirst.

Häufige Fragen

Ich nehme Blutdrucksenker — darf ich fasten?

Nicht ohne ärztliche Anpassung. Beim Fasten sinkt der Blutdruck häufig deutlich, und die gewohnte Dosis kann dann zu stark wirken. Das ist ein sehr häufiger Grund für Schwindel und Stürze beim Fasten. Die Dosis anzupassen ist Sache der Praxis, nicht deine.

Ich hatte vor Jahren eine Essstörung. Ist das noch relevant?

Ja. Fasten kann alte Muster reaktivieren, auch nach langer stabiler Zeit. Das Risiko ist schwer vorher abzuschätzen und die Folgen sind erheblich. Deshalb ist das hier ein Ausschlusskriterium und keine Ermessensfrage.

Was ist mit Schilddrüsenmedikamenten?

L-Thyroxin wird nüchtern eingenommen und ist beim Fasten meist weniger problematisch als andere Medikamente. Trotzdem verändert Fasten den Schilddrüsenstoffwechsel — das gehört vorher besprochen.

Quellen

  1. Wilhelmi de Toledo F. et al. (2013): Fasting therapy — an expert panel update of the 2002 consensus guidelines (Kontraindikationen).
  2. Mehanna H. M. et al. (2008): Refeeding syndrome — what it is, and how to prevent and treat it. BMJ.
  3. Grajower M. M., Horne B. D. (2019): Clinical Management of Intermittent Fasting in Patients with Diabetes Mellitus. Nutrients.

Fehlt eine Quelle oder ist etwas veraltet? Schreib mir — ich korrigiere das und schreibe dazu, was sich geändert hat.