Für Angehörige: Wenn jemand fastet
Von Thomas Freimoser, Zertifizierter ganzheitlicher Ernährungsberater · Zuletzt geprüft am
Kurz gesagt
Achte auf drei Dinge: Verwirrtheit oder ungewöhnliches Verhalten, Ohnmacht oder starken Schwindel, und Herzrasen. Bei diesen Zeichen soll das Fasten beendet und ärztlich abgeklärt werden — bei Brustschmerz, Atemnot oder Bewusstseinstrübung sofort Notruf 112. Reizbarkeit, Frieren, Mundgeruch und Müdigkeit sind dagegen übliche Begleiterscheinungen.
Diese Seite ist für dich, nicht für die fastende Person
Wenn jemand in deinem Umfeld mehrere Tage nichts isst, ist die häufigste Reaktion Sorge — und die zweithäufigste Streit. Beides ist verständlich. Diese Seite soll dir geben, was du für eine informierte Haltung brauchst: eine kurze Liste, was normal ist, und eine kürzere, wann es nicht mehr normal ist.
Was üblich ist und keine Sorge machen muss
- Reizbarkeit und dünne Nerven, besonders an Tag eins und zwei
- Mundgeruch und ein metallischer Geruch der Atemluft — Zeichen der Ketose
- Frieren, kalte Hände und Füsse
- Müdigkeit und weniger Antrieb
- Weniger Konzentration
- Hunger in Wellen, oft zu den gewohnten Essenszeiten
Das ist unangenehm für alle Beteiligten und geht vorbei.
Woran du erkennst, dass es nicht mehr normal ist
Merk dir drei Dinge. Wenn eines davon auftritt, soll das Fasten beendet und ärztlich abgeklärt werden:
1. Verwirrtheit oder verändertes Verhalten
Wortfindungsstörungen, auffällige Verlangsamung, Desorientierung, Verhalten, das nicht zu der Person passt. Das ist das wichtigste Zeichen — unter anderem, weil es auf eine gefährliche Verdünnung des Blutnatriums hinweisen kann. Und weil es genau das Zeichen ist, das die betroffene Person selbst nicht bemerkt.
2. Ohnmacht oder starker Schwindel
Schwarzwerden vor den Augen, Unsicherheit auf den Beinen, Kreislaufkollaps. Hinlegen lassen, nicht allein lassen.
3. Herzrasen oder Herzstolpern
Immer ein Grund zum Beenden, unabhängig von der Stärke.
Notruf 112 — ohne Abwägen
- Schmerzen in der Brust
- Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Bewusstseinstrübung
- Plötzliche Sprach-, Seh- oder Lähmungserscheinungen
- Krampfanfall
Wie du praktisch hilfst
Vorher: Bitte darum, dass du weisst, wie lange gefastet wird und ab wann abgebrochen wird. Schreib die drei roten Zeichen an den Kühlschrank. Das dauert fünf Minuten und ist die wirksamste Vorsorge.
Während: Gesalzene Gemüsebrühe bereitstellen — Salz ist beim Fasten die wichtigste Ergänzung, siehe Elektrolyte beim Fasten. Erreichbar sein. Nicht über Essen diskutieren, nicht heimlich testen, ob doch etwas gegessen wird.
Beim Abbruch: Der wichtigste Moment. Kein „hab ich doch gesagt“. Ein Abbruch ist die richtige Entscheidung und keine Niederlage. Was dann zu tun ist, steht Schritt für Schritt in Fasten sicher abbrechen — und die ersten Stunden sind einfach: hinsetzen, gesalzene Brühe, langsam, nichts Grosses essen.
Danach: Der Aufbau ist die riskantere Phase, nicht das Fasten. In den ersten drei Tagen nach dem Fastenbrechen auf Wassereinlagerungen in Beinen oder Gesicht, Muskelschwäche und Herzrasen achten — das können Zeichen eines Refeeding-Syndroms sein.
Wenn du glaubst, dass gar nicht gefastet werden sollte
Es gibt Situationen, in denen deine Sorge kein Übergriff ist, sondern angebracht: Schwangerschaft, eine Essstörung in der Vorgeschichte, insulinpflichtiger Diabetes, Herz-, Nieren- oder Lebererkrankung, Untergewicht, Medikamente wie Entwässerungstabletten oder Blutdrucksenker. Die vollständige Liste steht unter Wer sollte nicht fasten.
Sprich es einmal deutlich an, bitte um ein Arztgespräch, und nenne den konkreten Punkt — nicht „das ist gefährlich“, sondern „du nimmst Entwässerungstabletten, und die verstärken den Salzverlust“. Konkret zu sein wirkt besser als Sorge zu äussern.
Häufige Fragen
Soll ich versuchen, das Fasten zu verhindern?
Wenn ein Ausschlusskriterium vorliegt — Schwangerschaft, Essstörung in der Vorgeschichte, insulinpflichtiger Diabetes, Herzerkrankung, bestimmte Medikamente — dann sprich es deutlich an und bitte um ein Arztgespräch. Ansonsten ist Fasten bei gesunden Erwachsenen eine eigene Entscheidung. Nützlicher als Verbieten ist, informiert zu sein und die Abbruchgrenze gemeinsam festzulegen.
Was mache ich, wenn die Person nicht aufhören will, obwohl es ihr schlecht geht?
Fasten verändert Urteilsvermögen — genau die Fähigkeit, die für die Entscheidung zum Abbruch nötig wäre. Deshalb ist es sinnvoll, die Abbruchkriterien vorher gemeinsam schriftlich festzuhalten. Bei roten Zeichen wie Verwirrtheit oder Herzrasen ist es keine Bevormundung, sondern richtig, auf ärztliche Abklärung zu bestehen.
Quellen
- Wilhelmi de Toledo F. et al. (2019): Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period. PLOS ONE.
- Sterns R. H. (2015): Disorders of plasma sodium. New England Journal of Medicine.
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